Heinrich-Thöne-Volkshochschule der Stadt Mülheim an der Ruhr
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An der Brauerei

Bei dieser Straße handelt es sich um eine Stichstraße, die im Stadtteil Mellinghofen von der Boverstraße abzweigt. Sie wurde am 24.02.2000 nach der dort einst bestehenden Berg-Brauerei benannt.

Die Vorläufer der späteren Berg-Brauerei befanden sich, wie Bernd Brinkmann in seinem Buch „Mülheimer Brauereien“ anschaulich beschreibt, auf dem ehemals Sellerbeckschen Hof, der ein Back- und Brauhaus besaß.

Als Brauereigründer gilt Heinrich Quattelbaum, der 1855 das obige Gut erwarb und dort eine Brauerei betrieb. Durch Spekulationen im Bergbau geriet Quattelbaum in finanzielle Nöte, die letzlich dazu führten, dass sein Besitz versteigert wurde. Der Braubetrieb kam zum Erliegen. 1874 verkaufte der neue Besitzer, Johann Sellerbeck den Betrieb an Friedrich Kotthaus, der die Brauerei bis etwa 1880 führte. Danach kam eine der vier Kotthaus Schwestern, Amalie Knops, in den Besitz. Frau Knops schließlich verkaufte die Brauerei an Heinrich Philipp Mann. Mit ihm begann die Ära der vielen Mülheimern noch bekannten Berg-Brauerei Mann.

Heinrich Philipp Mann, geboren am 5. März 1835 in Massenhausen bei Arolsen, hatte 18-jährig begonnen, das Brauereihandwerk bei Wilhelm Schölling in Hagen-Haspe zu erlernen. In weiteren Brauereien bildete er seine Kenntnisse weiter aus und kam 1867 nach Mülheim. Hier arbeitete er zunächst als Braumeister bei der Brauerei Ibing in Saarn. 1875 pachtete er für zwei Jahre eine Brauerei in Broich, um dann als Pächter einer Brauerei und Wirtschaft in der Löhstraße 66 tätig zu werden.

1882 erwarb er die Brauerei in Mellinghofen von Amalie Knops (s.o.), die er unter dem Firmennamen „H.Mann“ modernisierte und erweiterte. 1897 übertrug Heinrich Mann, der am 25.12.1903 starb, das Unternehmen seinen beiden Söhnen, dem Brauer Wilhelm Mann und dem Kaufmann Carl Mann. Die Söhne setzten die positive Entwicklung nunmehr als „H. Mann oHG“ fort, investierten in Eis- und Dampfmaschinen, richteten ein neues Sudhaus ein und begannen mit der Produktion von Flaschenbier.

Die Jahresproduktion betrug 20.000 Hektoliter.Im Mai 1906 wurde der neue Firmenname „Bergbrauerei H. Mann“ ins Handelsregister eingetragen. Der Erste Weltkrieg mit anschließender Inflationszeit setzte auch dem Unternehmen stark zu. 1923 kostete beispielsweise ein Glas Pils 50 Millionen Mark. Die Firma dehnte ihren Markt in den Kölner Raum aus. 1925 wurde dafür der erste LKW angeschafft. 1926 trat mit Heinrich und Willi Mann (Söhne von Wilhelm M.) und Rudolf Mann (Sohn von Carl M.) die dritte Generation in das Unternehmen ein. 1929 firmierte man als Kommanditgesellschaft mit einer Belegschaft von vier Angestellten und 12 Arbeitern. Der Jahresausstoß war wieder auf 12.000 Hektoliter gestiegen. Der Zweite Weltkrieg brachte erneute Rückschläge. Aber trotz Zerstörungen beim Großangriff vom 23. Juni 1943 wurde nach zwei Wochen wieder gebraut und man übernahm auch Lohnarbeiten für andere Brauereien. Der Wiederaufbau nach dem Krieg erfolgte in raschen Schritten mit Inbetriebnahme einer Flaschenabfüllanlage mit Flaschenreinigung (1952) und dem Neubau des Sudhauses (1956).1959 übernahm die vierte Generation der Familie Mann mit Karlheinz (Kaufmann) und Arnt-Ulrich (Dipl.-Braumeister) die Führung des Unternehmens. In den 1970er Jahren gehörten Berg-Pils, Mölmsch, Mölmsch Bock u.a. zu den eingeführten Markennamen. Daneben belieferte man Handelsketten mit Billigmarken wie Kronring und Ruhrfels. Als ab 10. Febr. 1982 die Brauerei unter dem Namen „Berg-Brauerei Mann GmbH & Co. KG“  firmierte, hatte sich der Markt inzwischen gewandelt. Durch Zusammenschlüsse entstanden moderne Großbrauereien, die kostengünstiger produzieren konnten. 1988 wurde der in den 1920-er Jahren aufgebaute Kölner Markt aufgegeben. Immer mehr Gaststätten bezogen ihr Bier von anderen Brauereien.

Nachdem die Familie Mann in eigenen Reihen keine geeigneten Nachfolger für das Unternehmen fand, wurde es 1991 an den Essener Getränkegroßhändler Dr. Hans Doll verkauft, der zwar große Pläne hatte, diese aber letztlich nicht umsetzen konnte.
Die Firma „Berg-Brauerei Mann GmbH & Co. KG“ wurde am 12. Januar 2004 im Handelregister gelöscht.

(Wer mehr wissen möchte: Einzelheiten im Buch „Mülheimer Brauereien“ von Bernd Brinkmann – Buch des Geschichtsvereins 81/2008 – ISSN 0343-9453)

Hans-Dieter Strunck







© Heinrich-Thöne-Volkshochschule der Stadt Mülheim an der Ruhr, Stand: 21.11.2018 vhs.muelheim-ruhr.de